Was brauchst du, um dich sicher zu fühlen?

Einen festen Wohnsitz? Ein regelmäßiges Einkommen? Versicherungen? Besitz? Einen Plan für die nächsten Jahre?

Patrick Amáros Antwort darauf fällt heute ziemlich anders aus als noch vor einigen Jahren. Er lebt auf Kreta, ist hier nicht gemeldet, besitzt nach eigenen Worten im Wesentlichen noch einen Pass und ein Handy und empfindet gerade das nicht als Unsicherheit, sondern als Freiheit.

Als er mir davon bei unserem Gespräch am Komos Beach erzählt, rutscht mir allerdings erst einmal kurz das Herz in die Hose. 😄

Denn Patricks Vorstellung von Freiheit hat viel mit Loslassen zu tun. Und sein Weg dorthin war alles andere als geradlinig.

 

Eigentlich war doch alles da

Bevor Patrick auf Kreta landete, führte er in Österreich ein Leben, das von außen ziemlich klassisch aussah: sicherer Job, schöne Wohnung in Wien, eine Partnerschaft – die Hochzeit stand kurz bevor.

Eigentlich war alles da.

Nur dieses kleine Detail nicht: das Gefühl, dass dieses Leben noch zu ihm passt.

Patrick beschreibt im Gespräch eine leise Stimme in sich, die immer wieder auftauchte. Nicht laut, nicht dramatisch. Eher ein beständiges Gefühl: „Da passt was nicht, das bin ich nicht mehr.“

Irgendwann konnte er diese Stimme nicht mehr überhören.

Er kündigte seinen Job, beendete seine Partnerschaft und verließ Wien. Was danach kommen sollte? Das wusste er selbst nicht.

     

    Ängste, Zweifel und Sorgen? Alles hoch zehn.

    Natürlich wollte ich von ihm wissen, ob er damals keine Ängste und Zweifel hatte.

    Seine Antwort war ziemlich eindeutig: Doch. Und zwar alles „hoch zehn“.

    Keine finanzielle Sicherheit, kein klarer Weg, keine Ahnung, wo das alles hinführen würde. Patrick beschreibt diese Zeit als psychisch und emotional enorm anstrengend. Teilweise sogar aussichtslos.

    Er wusste nicht, wohin er gehen sollte.

    Er wusste nur, dass er nicht bleiben konnte.

    Denn das bisherige Leben war ihm zu eng geworden. Und er hatte das Gefühl: Wenn er jetzt nicht geht, verliert er sich selbst.

    Mut zur Veränderung bedeutet also nicht zwangsläufig, vollkommen überzeugt und furchtlos mit wehenden Haaren Richtung Sonnenuntergang zu marschieren.

    Manchmal bedeutet Mut offenbar auch, mit einem ganzen Karussell aus Ängsten und Zweifeln loszugehen – und trotzdem einen Fuß vor den anderen zu setzen.

     

    Ein Steinhaus und ein One-Way-Ticket nach Kreta

    Und dann kam Kreta ins Spiel.

    Über ein Online-Event, das Patrick damals organisiert hatte, entstand eine Community. Eines Tages entdeckte er dort einen Beitrag über ein Steinhaus auf Kreta.

    Dieser eine Beitrag brachte etwas ins Rollen.

    Patrick kaufte sich schließlich ein One-Way-Ticket nach Kreta, löste sein bisheriges Leben in Österreich auf und ging.

    Nicht mit dem perfekten Fünfjahresplan in der Tasche. Nicht mit der Gewissheit, dass alles funktionieren würde.

    Sondern Schritt für Schritt.

    Heute lebt er seit knapp drei Jahren auf Kreta und bezeichnet die Insel als seinen momentanen Platz, an dem er sich wohlfühlt, entwickeln und entfalten kann.

    Und genau deshalb passt für seine Geschichte auch das klassische Wort „Auswandern“ für mich nur bedingt.

    Denn Patrick hat sich hier kein neues Leben nach demselben alten Schema aufgebaut.

    Er hat angefangen, dieses Schema grundsätzlich infrage zu stellen.

     

    Alternativ leben auf Kreta: Wie viel Sicherheit braucht man wirklich?

    An diesem Punkt unseres Gesprächs wurde es für mich persönlich besonders spannend.

    Denn Patrick begann im Laufe der Zeit, immer mehr Dinge loszulassen, die wir normalerweise mit Sicherheit verbinden.

    Dazu gehören auch Versicherungen.

    Und ja: Als er mir erzählt hat, dass er ohne Versicherungen lebt, ist mir tatsächlich kurz das Herz in die Hose gerutscht. 😄

    Für Patrick war das Kündigen hingegen eine Erleichterung.

    Er beschreibt im Gespräch, dass er versucht, Dinge aufzulösen, die in ihm Angst erzeugen oder ihn einengen. Für ihn waren Versicherungen irgendwann nicht mehr Ausdruck von Sicherheit, sondern mit Ängsten verbunden, von denen er sich lösen wollte.

    Das ist sein persönlicher Weg – und Patrick sagt selbst sehr deutlich, dass dieser nicht für jeden Menschen passen muss.

    Und genau da wird seine Geschichte für mich interessanter als die Frage, ob man selbst nun mit oder ohne Versicherung leben möchte.

    Denn dahinter steckt eine viel größere:

    Welche Dinge geben uns tatsächlich Sicherheit? Und an welchen halten wir nur fest, weil wir Angst davor haben, sie loszulassen?

    “Ich habe ein Handy und ich hab einen Pass.”

    Auch materiell hat Patrick immer mehr losgelassen.

    Keinen klassischen festen Wohnsitz. Kaum Besitz. Keine üblichen Sicherheiten.

    Für viele Menschen dürfte allein der Gedanke daran eher das Gegenteil von Freiheit auslösen. 😄

    Bei Patrick ist es anders.

    Gerade das Loslassen dieser Sicherheiten empfindet er als befreiend.

    Und ich glaube, genau hier zeigt sich auch, was alternativ leben auf Kreta bedeuten kann: Es gibt nicht die eine alternative Lebensform.

    Für den einen ist es ein kleines Haus irgendwo in den Bergen. Für den anderen vielleicht ortsunabhängiges Arbeiten am Meer. Für jemanden anderen Selbstversorgung, Vanlife oder ein möglichst minimalistisches Leben.

    Bei Patrick bedeutet es momentan vor allem: möglichst wenig festhalten.

     

    Und irgendwann wurde auch das alte Projekt zu eng

    Spannend ist, dass dieses Loslassen bei Patrick nicht mit dem Aufbruch nach Kreta aufgehört hat.

    Auch sein bisheriges Projekt, über das er unter anderem ein großes Online-Event organisiert hatte, begann sich irgendwann wieder zu eng anzufühlen.

    Patrick hatte sich verändert.

    Also zog er sich für rund zehn Monate fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. Keine YouTube-Videos, kaum Lebenszeichen nach außen. Stattdessen konzentrierte er sich auf seine eigene Entwicklung.

    Und ausgerechnet am Tag unseres Interviews war dieser Rückzug vorbei.

    Das Ergebnis überraschte mich dann tatsächlich:

    Es gibt gar kein neues „Projekt“.

    Kein Projekt mehr, sondern Patrick Amáro

    Patrick möchte sich nicht länger hinter einem Projektnamen zeigen.

    Er geht jetzt schlicht als Patrick Amáro nach außen.

    Ein Teil davon ist seine Begleitung „Innere Räume“. Dabei geht es für ihn darum, Menschen nicht vorzugeben, welchen Weg sie gehen sollen, sondern sie dabei zu begleiten, sich selbst wieder wahrzunehmen und ihre eigene innere Stimme zu hören.

    Daneben entsteht gerade einiges aus seiner Kreativität heraus.

    Musik und eigene Songs gehören genauso dazu wie Musikvideos, YouTube und sogar ein Hörspiel – oder, wie Patrick es beschreibt, „Kino für die Ohren“.

     

    Vielleicht wusste es die leise Stimme längst

    Am Ende unseres Gesprächs frage ich Patrick, was er den Menschen noch mitgeben möchte.

    Und damit landen wir wieder genau dort, wo seine Geschichte begonnen hat.

    Bei dieser kleinen, leisen Stimme.

    Damals in Österreich sagte sie ihm immer wieder, dass etwas nicht mehr stimmt. Patrick hörte sie, aber es dauerte, bis er ihr tatsächlich vertraute.

    Heute sagt er:

    „Manchmal verändert eine leise Stimme alles.“

    Vielleicht ist genau das in einer Welt, in der ständig irgendjemand etwas von uns möchte, die eigentliche Herausforderung.

    Diese Stimme überhaupt noch wahrzunehmen.

    Denn sie schreit meistens nicht.

    Und manchmal erzählt sie uns möglicherweise Dinge, die wir gerade überhaupt nicht hören wollen.

    Dass ein Leben, das von außen perfekt aussieht, nicht mehr unseres ist.

    Dass Sicherheit nicht automatisch Freiheit bedeutet.

    Oder einfach nur, dass es Zeit ist, den nächsten Schritt zu gehen, auch wenn wir noch keine Ahnung haben, wohin er führt.

    Patrick hat irgendwann angefangen, dieser Stimme zuzuhören.

    Und sie führte ihn unter anderem mit einem One-Way-Ticket nach Kreta.

    Heute sitzt er am Komos Beach, isst Thymianpommes, bekommt regelmäßig Sand ins Auge und philosophiert mit mir über Freiheit, Ängste, Vertrauen und das Leben.

     

    Zur Podcastfolge

    Im Podcast sprechen wir noch ausführlicher über Patricks Weg, seine Ängste und Zweifel, sein Leben ohne klassische Sicherheiten, seine neuen „Inneren Räume“, Human Design, Kreativität und darüber, was Freiheit für ihn heute bedeutet.

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    ✨  Mehr über Patrick:

    Website: Patrick Amáro
    YouTube: Patrick Amáro | INNERE RÄUME – YouTube
    Instagram: iam.patrickamaro